PR-Erfolg messen: Kennzahlen, die wirklich zählen

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Abstrakte lila-orange Verlaufswellen mit leuchtenden Messknoten als Symbol für PR-Analyse und Erfolgsmessung
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Presskid Team

PR-Erfolg messen ohne AVE und ohne Reichweite. Welche Kennzahlen PR-Aktivitäten mit Geschäftsergebnissen verbinden und wie das Reporting sinnvoll gebaut wird.

Wer PR-Erfolg messen will, bekommt von den meisten PR-Teams eine von zwei Antworten. Erstens: ein Stapel Coverage-Clippings mit einer Schätzung der Gesamtreichweite. Zweitens: eine Tabelle mit AVE-Werten – Advertising Value Equivalency – die Berichterstattung einen Geldwert zuordnet, indem berechnet wird, was dieselbe Fläche als Anzeige gekostet hätte.

Keine der beiden Antworten ist nützlich. Clippings zeigen Aktivität, keine Ergebnisse. AVE ist die in der PR-Branche am meisten diskreditierte Kennzahl – von jedem relevanten Berufsverband seit 2010 abgelehnt und trotzdem weit verbreitet, weil sie große, beeindruckend klingende Zahlen erzeugt.

Das eigentliche Problem ist kein Messproblem. Es ist ein Zielsetzungsproblem. PR-Messung scheitert, wenn die gewählten Kennzahlen losgelöst sind von dem, was das Unternehmen von PR tatsächlich erwartet.

PR-Erfolg messen: Zuerst den Auftrag klären

Messung muss Zielen folgen, nicht umgekehrt. Bevor entschieden wird, was gemessen wird, muss beantwortet werden: Was sollte PR für diese Organisation in diesem Zeitraum leisten?

Typische PR-Ziele lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Bekanntheitsziele – PR soll die Sichtbarkeit der Organisation, des Produkts oder des Themas bei einer definierten Zielgruppe erhöhen. Messbar: Marken-Suchvolumen, Share of Voice, neue Reichweite.

Glaubwürdigkeitsziele – PR soll Autorität in einem bestimmten Bereich aufbauen oder festigen. Schwieriger zu messen, aber möglich: Coverage-Qualität (Tier der Publikation, Ton, Genauigkeit), Journalisten-Beziehungen, Rate eingehender Medienanfragen.

Geschäftsziele – PR soll zum Vertriebspipeline, zu Investor Relations, zur Talentgewinnung oder einem anderen direkt kommerziellen Ergebnis beitragen. Messung erfordert CRM- und Analytics-Integration, ist aber machbar.

Der Grund, warum so viele PR-Teams auf Volumenkennzahlen zurückfallen – Reichweite, Impressionen, Clip-Anzahl – ist, dass sie einfach zu erzeugen sind, unabhängig davon, ob Ziele gesetzt wurden. Das Einfache zu messen ist nicht dasselbe wie das Relevante zu messen.

Die Barcelona-Prinzipien: der Branchenkonsens

2010 verabschiedete eine internationale Versammlung von PR-Messprofis die Barcelona-Prinzipien – Richtlinien für Best Practices in der PR-Messung. Sie wurden 2015 und erneut 2020 überarbeitet (Barcelona-Prinzipien 3.0).

Die Prinzipien sind wichtig, weil sie den aktuellen professionellen Konsens abbilden. Die wesentlichen Positionen:

  • Zielsetzung ist Voraussetzung für Messung. Man kann nicht messen, was man nicht definiert hat.
  • Outputs, Outtakes und Outcomes sollten alle gemessen werden. Outputs sind, was du produziert hast (Coverage-Volumen, Reichweite). Outtakes sind, was Zielgruppen verstanden oder erinnert haben. Outcomes sind, was sich in Verhalten, Einstellung oder Geschäftsergebnissen verändert hat.
  • AVE ist kein valides Messinstrument. Die 2020er Version ist eindeutig: AVE „misst nicht den Wert von Public Relations”.
  • Quantität und Qualität von Coverage sollten beide gemessen werden.

Die Prinzipien liefern das konzeptionelle Gerüst. Was Teams als nächstes brauchen, sind die konkreten Kennzahlen, die das operationalisieren.

Coverage-Qualität: Was wirklich bewertet wird

Coverage-Volumen zeigt, wie viel Aufmerksamkeit PR erzeugt hat. Coverage-Qualität zeigt, ob diese Aufmerksamkeit den Aufwand wert war.

Die Qualitätsdimensionen, die zählen:

Publikations-Tier – Coverage in einem Medium, dessen Leserschaft mit der Zielgruppe übereinstimmt, hat mehr Wert als Coverage in einem thematisch unverwandten Outlet mit höherer Auflage. Eine Erwähnung im Handelsblatt ist für ein deutsches B2B-Unternehmen wertvoller als zwölf Erwähnungen in regionalen Branchenverzeichnissen.

Botschaftsdurchdringung – Hat die Berichterstattung die Kernbotschaft aufgegriffen? Ein Artikel, der die Positionierung deines Unternehmens präzise wiedergibt, erreicht etwas, das eine bloße Namenserwähnung nicht erreicht.

Sentiment – Positive, neutrale oder negative Rahmung. Wichtig zu tracken, wenn Reputationsmanagement ein PR-Ziel ist.

Share of Voice – Dein Erwähnungsvolumen relativ zu genannten Wettbewerbern in denselben Medien und im selben Zeitraum. Erfordert Tracking der Wettbewerbs-Coverage, was mit jedem soliden Media-Monitoring-Tool umsetzbar ist.

Genauigkeit – Bei komplexen technischen Themen, ob die Berichterstattung die Fakten korrekt dargestellt hat. Ungenaue Coverage kann schlimmer sein als keine Coverage.

Bau ein einfaches Bewertungsschema: Weise Tier, Botschaftsdurchdringung und Sentiment Gewichtungen zu und bewerte jedes bedeutende Coverage-Stück. Über Zeit ergibt das einen qualitätsbereinigten Coverage-Score, der aussagekräftiger ist als reine Clip-Zählung.

Geschäftsverknüpfte Kennzahlen: Die, die Budgets rechtfertigen

Die Kennzahlen in diesem Abschnitt sind der Ort, wo PR-Messung ihren Platz in Budget-Gesprächen verdient. Sie brauchen mehr Infrastruktur, liefern aber Zahlen, die Führungskräfte verstehen.

Referral-Traffic aus verdienten Medien – Richte UTM-Parameter für deine eigenen Inhalte ein und tracke, welche Presseberichterstattung direkte Besuche erzeugt. Identifiziere, welche Publikationen die qualifiziertesten Besucher:innen schicken (längere Sitzungen, niedrigere Absprungraten, höhere Downstream-Conversion-Raten).

Marken-Suchvolumen nach Kampagnen – Tracke Suchanfragen nach deinem Unternehmensnamen rund um PR-Kampagnen. Eine bedeutende Ankündigung, die von relevanten Medien aufgegriffen wird, erzeugt typischerweise einen messbaren Anstieg bei Suchanfragen. Google Search Console zeigt das ohne zusätzliche Tools.

Rate eingehender Medienanfragen – Ein Frühindikator für Glaubwürdigkeit. Wenn Journalist:innen dich über Google finden statt umgekehrt, signalisiert das, dass PR Position aufbaut, nicht nur einzelne Placements erzeugt.

Pipeline-Attribution – Für B2B-Unternehmen kann CRM-Integration zeigen, wie viele Kund:innen, die einen Abschluss gemacht haben, zuerst durch Presseberichterstattung auf das Unternehmen aufmerksam wurden. Ungenau, aber richtungsweisend.

Share of Voice in Investor- oder Talentgesprächen – Für Unternehmen, die Kapital aufnehmen oder um Führungskräfte konkurrieren: beobachte, ob dein Name im richtigen Kontext auftaucht. Qualitativ, aber beobachtbar.

Die Kennzahlen, die nach Messung aussehen, aber keine sind

Diese Kennzahlen sind noch verbreitet in PR-Berichten. Sie sind nicht wertlos, brauchen aber Kontext:

Impressionen – Eine Schätzung, wie oft ein Coverage-Stück theoretisch gesehen werden konnte, basierend auf Auflage oder Website-Traffic. Die Zahl ist fast immer aufgebläht. Behandle Impressionen als Obergrenze, nicht als Untergrenze.

Reichweite – Ähnlich wie Impressionen, oft berechnet als Gesamtpublikum aller Medien, die ein Thema aufgegriffen haben. Dieselben aufgeblähten Annahmen gelten.

Clip-Anzahl – Erwähnungsvolumen ohne Qualitätsfilter. Ein Unternehmen, das 200 Mal in kleinen Regionalmedien aus einem nicht verwandten Grund erwähnt wird, schneidet besser ab als eines, das 20 Mal in Tier-1-Medien aus genau den richtigen Gründen genannt wird.

Diese Kennzahlen sind nicht falsch zu tracken. Sie sind falsch als primäre Maßstäbe für PR-Erfolg. Nutze sie als sekundären Kontext für qualitätsbereinigte Kennzahlen.

Ein PR-Messrahmen in der Praxis

Ein funktionierender PR-Messrahmen hat drei Bestandteile:

1. Vereinbarte Ziele – Schriftlich, spezifisch, zeitgebunden und von PR-Team und Geschäftsseitige genehmigt. „Markenbekanntheit steigern” ist kein Ziel. „Share of Voice in Tier-1-Wirtschaftsmedien bis Ende Q3 von X auf Y Prozent erhöhen” ist eines.

2. Mess-Rhythmus – Wie häufig jede Kennzahl überprüft wird. Manche Kennzahlen (Referral-Traffic, Suchvolumen) sind wöchentlich verfügbar. Andere (Wettbewerbs-Share-of-Voice-Analyse, qualitätsbereinigter Coverage-Score) ergeben monatlich oder quartalsweise Sinn.

3. Benchmarks – Jede Kennzahl braucht eine Basislinie und ein Ziel. Ohne Basislinie kann man nicht erkennen, ob sich etwas verändert hat. Ohne Ziel kann man nicht beurteilen, ob eine Veränderung gut oder schlecht ist.

Wie du Berichte baust, die bei Führungskräften wirklich ankommen, erklärt PR-Reporting für die Geschäftsführung. Und wie du aus Messergebnissen ein überzeugendes ROI-Argument machst, behandelt PR-ROI: Wie du den Wert von Medienarbeit nachweist.

Was tatsächlich in einen PR-Bericht gehört

Der häufigste Fehler in PR-Berichten ist das Berichten von Aktivität statt Ergebnissen. „Wir haben 47 Coverage-Beiträge generiert mit einer kombinierten Reichweite von 2,3 Millionen” ist ein Aktivitätsbericht. Ein Ergebnisbericht verknüpft die Aktivität mit Zielen.

Aufbau eines ergebnisorientierten PR-Berichts:

  1. Zielerinnerung – Was sollte PR leisten?
  2. Wesentliche Ergebnisse – Drei bis fünf Kennzahlen direkt an Ziele geknüpft
  3. Coverage-Highlights – Ausgewählte Beiträge mit Qualitätsannotation, kein vollständiger Clipping-Dump
  4. Geschäftsverbindungen – Referral-Traffic, Suchvolumen-Uplift, Pipeline-Attribution wo trackbar
  5. Wettbewerbskontext – Share-of-Voice-Trend gegen genannte Wettbewerber
  6. Prioritäten der nächsten Periode – Was wird auf Basis der Daten optimiert

Das Messversprechen

PR-Messung ist keine Berichtsübung. Es ist eine Rückkopplungsschleife. Die Daten sollten verändern, was das Team als nächstes tut – welche Themen priorisiert werden, welche Medien angesprochen werden, welche Botschaften tatsächlich landen.

Wenn PR-Messung einen Bericht erzeugt, der einmal gelesen und abgeheftet wird, funktioniert sie nicht als Rückkopplungsschleife. Wenn sie ein Gespräch darüber auslöst, was funktioniert und was verändert werden soll – dann funktioniert sie. Das ist der Unterschied zwischen Messen als Aufwandsbeweis und Messen als Instrument zur Ergebnisverbesserung.

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