Presskid Team
Nicht jede Ankündigung braucht eine Pressemitteilung. Welche Meldungen keine rechtfertigen, die Zeichen für Eitelkeits-PR – und was du stattdessen tust.
Die Frage, die PR-Teams gelernt haben zu stellen, lautet: „Wie schreiben wir das?” Die Frage, die zuerst kommen sollte, lautet: „Sollten wir das überhaupt schreiben?”
Eine Pressemitteilung zu verschicken, die keine rechtfertigt, hat reale Kosten. Sie verbraucht das Vertrauen von Journalist:innen für eine Meldung, die keine Berichterstattung erzeugen wird. Sie prägt ein Muster: Wer regelmäßig unremarkable Neuigkeiten versendet, trainiert Redakteur:innen, alle eigenen Mitteilungen niedriger zu priorisieren. Und es signalisiert, dass dein Team nicht zwischen Nachrichten und Ankündigungen unterscheidet.
Wann keine Pressemitteilung: Die fünf Kategorien ohne Nachrichtenwert
Was den Schwellenwert nicht überschreitet zu verstehen, ist nützlicher als eine weitere Liste mit dem, was ihn überschreitet. Hier sind die fünf Kategorien, die am häufigsten keine Pressemitteilung rechtfertigen:
1. Interne Meilensteine, verpackt als externe Neuigkeiten
„Wir haben 1.000 Kunden erreicht” ist ein Meilenstein. Bedeutsam intern. Keine Nachricht für Journalist:innen oder deren Leserschaft – jedenfalls nicht als nacktes Faktum. Außer die Zahl repräsentiert eine belegbare Marktführerschaft, oder sie ist eingebettet in Daten, die eine größere Geschichte über Marktdynamiken erzählen.
Der Test: Hat diese Tatsache für jemanden außerhalb des Unternehmens Bedeutung? Und wenn ja, warum?
2. Personalankündigungen unterhalb der Führungsebene
Neue Mitarbeiter unterhalb von C-Suite oder Aufsichtsrat sind selten eine Nachricht für allgemeine Wirtschaftsmedien. In manchen Fachpublikationen, die Personalwechsel als festes Format führen – bestimmte Finanzmedien, Branchen-Fachpresse, regionale Wirtschaftsblätter – kann das funktionieren. Aber das erfordert aktive Prüfung. Eine Mitteilung über eine Teamleiter-Einstellung an eine überregionale Tageszeitung verschwendet den Kontakt.
3. Umverpackte Produkt-Updates ohne neue Funktionalität
Ein Patch, ein Redesign, eine zusätzliche Konfigurationsoption – das sind Produkt-Updates, keine Produktnachrichten. Eine Pressemitteilung für ein kleines Update trainiert die Journalistin, dass deine Produktmeldungen den Nachrichtenwert-Schwellenwert nicht überschreiten. Wenn du einen wirklich bedeutsamen Launch hast, hast du deine Glaubwürdigkeit bereits verwässert.
Der Test: Ändert dieses Update, was eine Kundin tun kann oder zahlen würde? Wenn nein, gehört es ins Changelog.
4. Auszeichnungen ohne verifizierbaren Stellenwert
„Bestes SaaS-Unternehmen in [Kategorie]” von einem Branchenverband oder einer Listicle-getriebenen Publikation erzeugt keine Presseberichterstattung. Journalist:innen wissen, welche Preise mit echter Jury-Qualität ausgestattet sind und welche käuflich oder selbstentworfen sind. Eine Mitteilung über Letzteres beschädigt die Glaubwürdigkeit bei Redakteur:innen, die den Preis einordnen können.
Ausnahme: Auszeichnungen mit transparentem Auswahlprozess und echter Branchenrelevanz, oder Kategoriesiege in breit anerkannten Rankings.
5. Partnerschaften, die noch größtenteils theoretisch sind
Eine Partnerschaftsmeldung, die auf „zwei Unternehmen haben vereinbart, Möglichkeiten zu erkunden” hinausläuft, ist keine Pressemitteilung. Sie wird zur Mitteilung, wenn es etwas Spezifisches und Verifizierbares gibt: ein gemeinsamer Produktlaunch, eine Co-Branded-Dienstleistung, eine quantifizierte Integration oder ein Vertriebsabkommen mit definierten Bedingungen. Vage Partnerschaftsmeldungen ohne konkrete Ergebnisse sind ein häufig missbrauchtes Format.
Die Zeichen, dass eine Pressemitteilung eine Eitelkeitsübung ist
Neben Kategorien gibt es Verhaltenssignale, die zeigen, dass eine Mitteilung aus internen statt journalistischen Gründen geschrieben wird:
Mehrere Freigaberunden drehen sich hauptsächlich um Ton, nicht um Richtigkeit. Wenn der Großteil der Review-Zeit damit verbracht wird, Sprache abzumildern, Adjektive hinzuzufügen oder alles zu entfernen, was zu direkt klingt, wird die Mitteilung für das Management geschrieben – nicht für Journalist:innen.
Die „Nachricht” ist dem Markt bereits bekannt. Wenn die Ankündigung bereits informal in der Fachpresse behandelt, in Branchenblogs erwähnt oder auf Konferenzen besprochen wurde, ist eine Pressemitteilung kein Breaking News. Dann konkurrierst du mit etablierter Berichterstattung, statt neues Interesse zu wecken.
Du kannst nicht in einem Satz ohne Einschränkungen erklären, warum das eine Nachricht ist. „Es ist bedeutsam, weil wir ein schnell wachsendes Unternehmen sind und das unsere Dynamik zeigt” ist kein Nachrichtengrund. „Es ist bedeutsam, weil das die erste öffentlich bekannte Partnerschaft zwischen einem deutschen Mittelstands-Software-Anbieter und einem globalen Logistik-Konzern ist” – das ist einer.
Die Mitteilung ist an einen PR-Kalender geknüpft, nicht an die Nachrichtenreife. Monatliche oder quartalsweise Produktionszyklen führen dazu, dass manche Mitteilungen rausgehen, bevor sie fertig sind, und manche Nachrichten ihren besten Moment verpassen.
Was du stattdessen tust
Wenn die Nachricht keine Mitteilung rechtfertigt, gibt es bessere Formate:
LinkedIn und eigene Kanäle. Interne Meilensteine, kleine Produkt-Updates, Team-Ankündigungen, Auszeichnungen – das landet gut in eigenen Social- und Newsletter-Formaten, wo die Zielgruppe bereits optiert hat. Die Engagement-Rate ist bei Nachrichten dieser Größenordnung oft besser als Presseberichterstattung.
Exklusive Journalist:innen-Briefings. Für Nachrichten, die bedeutsam, aber für eine Eins-zu-eins-Konversation besser geeignet sind als für eine formale Mitteilung, erzeugt ein Exklusiv-Briefing mit einer oder zwei relevanten Journalist:innen oft tiefere, genauere Berichterstattung als ein Verteiler-Versand. Die Journalistin bekommt die Story zuerst; du bekommst einen ausgearbeiteten Text statt einer kurzen Erwähnung.
Hintergrundinformationen für laufende Gespräche. Wenn du Beziehungen zu Journalist:innen aufbaust, die deinen Bereich abdecken, baut das Teilen relevanter Informationen als Hintergrund – nicht zur sofortigen Veröffentlichung – über die Zeit Glaubwürdigkeit auf und positioniert dich als nützliche Quelle für künftige Storys.
Verbandsankündigungen. Branchenspezifische Neuigkeiten, die für Praktiker:innen wichtig sind, aber nicht für allgemeine Wirtschaftsmedien, haben oft ihren richtigen Platz in Fachpublikationen, Verbandsnewslettern oder sektorspezifischen Plattformen.
Wann eine Pressemitteilung tatsächlich sinnvoll ist
Damit die Linie von beiden Seiten klar ist: Eine Pressemitteilung rechtfertigt ihren Platz, wenn die Nachricht einen einfachen Test besteht – eine Journalistin, die das relevante Ressort abdeckt, würde das als berichtenswert einschätzen, ohne überredet werden zu müssen.
Signale, dass dieser Schwellenwert erreicht ist:
- Finanzierungsrunden über dem marktüblichen Schwellenwert für deine Unternehmensphase und Branche
- Produktlaunches, die eine neue Fähigkeitskategorie eröffnen, keine inkrementelle Verbesserung
- Studien oder Daten mit nicht offensichtlichen Erkenntnissen über Märkte oder Verhalten
- Partnerschaften, bei denen beide Seiten im Markt bekannt sind und die kommerziellen Bedingungen spezifisch sind
- Führungskräfte auf C-Suite- oder Aufsichtsratsebene, besonders wenn die Person klare Signalwirkung hat
Die Disziplin ist nicht Zurückhaltung um ihrer selbst willen. Sie ist Präzision. Pressemitteilung schreiben, die Coverage erzeugen, setzt voraus, mit Nachrichten zu beginnen, die das Format rechtfertigen. Und Pressemitteilung verteilen funktioniert besser, wenn tatsächlich Nachrichtenwert vorhanden ist.
Der Entscheidungsfilter
Bevor du eine Pressemitteilung schreibst, drei Fragen:
- Würde eine Journalistin, die dieses Ressort abdeckt, das unabhängig als berichtenswert einschätzen – oder müsste sie überzeugt werden?
- Ist die Nachricht konkret genug, dass eine Journalistin den ersten Absatz ihrer Story allein aus dem Lead schreiben könnte?
- Stärkt oder schwächt diese Mitteilung die Glaubwürdigkeit der nächsten, die du denselben Journalist:innen schickst?
Zwei oder drei klare Jas: Mitteilung schreiben. Alles andere: ein anderes Format suchen oder einen stärkeren Winkel finden.
Die Pressemitteilung ist ein Instrument, das am besten funktioniert, wenn es mit Zurückhaltung eingesetzt wird. Häufiger Hammereinsatz erzeugt keine Nägel.
Der Verteiler, der dir Glaubwürdigkeit spart
Jede Pressemitteilung, die du an Journalist:innen schickst, die keine rechtfertigt, kostet etwas. Nicht Geld – Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist die einzige Währung in der Medienarbeit, die sich nicht aufstocken lässt.
Journalist:innen haben mentale Modelle von Quellen: Diese Quelle schickt relevante Meldungen; jene schickt alles, was irgendwie nach Neuigkeit klingt. Wenn du in der zweiten Kategorie eingeordnet bist, landet deine nächste wirklich gute Pressemitteilung tiefer im Stapel – auch wenn der Inhalt überzeugend ist. Der Absender-Ruf entscheidet mit über die Öffnungsrate, bevor der Inhalt gelesen wird.
Das Verteilen bewusst halten bedeutet daher nicht nur, einzelne Meldungen zu prüfen. Es bedeutet, den Gesamteindruck zu schützen, den du bei relevanten Journalist:innen über Zeit aufbaust. Wenige, präzise gesendete Meldungen bauen dieses Kapital auf. Viele schwache Meldungen verbrauchen es.
Journalist:innen haben mentale Modelle von Quellen: Diese Quelle schickt relevante Meldungen; jene schickt alles, was als Neuigkeit gilt. Wenn du in der zweiten Kategorie eingeordnet bist, landen deine Pressemitteilungen seltener oben im Posteingang – auch wenn die nächste echte Nachricht kommt.
Das Verteilen bewusst halten bedeutet daher nicht nur, einzelne Meldungen zu prüfen. Es bedeutet, den Gesamteindruck zu schützen, den du bei relevanten Journalist:innen über Zeit aufbaust. Wenige, präzise gesendete Meldungen bauen dieses Kapital auf. Viele schwache Meldungen verbrauchen es.
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